

Eine tödliche Krankheit, die lange Zeit als ausgerottet galt, kehrt nach Deutschland zurück. Während Großbritannien mit einem beängstigenden Meningitis-Ausbruch zu kämpfen hat, gibt es auch in Deutschland Anlass zu großer Sorge: Das Robert Koch-Institut (RKI) schlägt Alarm.
Großbritannien kämpft derzeit mit dem schlimmsten Meningitis-Ausbruch seit fast 30 Jahren. Zwei Menschen sind gestorben, weitere 29 Fälle wurden registriert – und Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch viel höher liegen könnte. Und in Deutschland sieht es nicht viel besser aus: Eine alte Krankheit hat sich wieder eingeschlichen und ist auf dem Vormarsch.
Besorgniserregender Anstieg der Diphtherie-Fälle
Die Rede ist von Diphtherie. Während die Fallzahlen jahrelang im einstelligen Bereich lagen, ist in den letzten drei Jahren ein besorgniserregender Anstieg der Fälle zu verzeichnen. Im Jahr 2022 wurden plötzlich 172 Fälle registriert. In den Jahren seitdem hat sich die Lage kaum verbessert. Im vergangenen Jahr wurde der Tod eines 10-jährigen Jungen gemeldet.
Was macht Diphtherie so gefährlich?
Diphtherie ist eine bakterielle Infektion, die auf zwei Arten auftreten kann: als Infektion der Atemwege und als Hautinfektion.
Die Diphtherie der Atemwege ist heutzutage glücklicherweise sehr selten: Wenn die Bakterien die Atemwege angreifen, bilden sich im Rachen feste Beläge, die die Atmung einschränken und schnell lebensbedrohlich werden können. Die Krankheit wird durch Tröpfchen übertragen, die von einer infizierten Person ausgeatmet werden. Die Symptome können denen einer Mandelentzündung ähneln und umfassen Halsschmerzen, Fieber und Schwierigkeiten beim Schlucken.
Die Hautdiphtherie ist noch tückischer, da sie einem Ekzem ähnelt und anfangs oft auch als solches behandelt wird. Eine Ansteckung kann durch Kontakt mit einer infizierten Person oder durch Kontakt mit kontaminierten Oberflächen erfolgen. Doch im Gegensatz zu harmlosem Ekzem produzieren Diphtheriebakterien ein gefährliches Gift. Dieses gelangt in den Blutkreislauf, von wo aus es sich im ganzen Körper und auf die Organe ausbreiten kann. Je länger die Krankheit unbehandelt bleibt, desto schwerwiegender können die Schäden sein.
Die Diagnose wird anhand eines Abstrichs gestellt, der im Labor untersucht wird. Danach beginnt die Behandlung mit Antibiotika.
Deutsche unzureichend gegen Diphtherie geimpft
Aber sind nicht eigentlich alle Bürger gegen Diphtherie geimpft? Laut Medizinern ist das nicht der Fall. Für einen wirksamen Schutz vor Diphtherie braucht man mehrere Impfungen, und nur wenige haben sie alle:
– Im ersten Lebensjahr sind drei Impfungen erforderlich (im Alter von 2, 4 und 11 Monaten).
– Eine weitere Auffrischungsimpfung ist im Alter von 5–6 Jahren erforderlich.
– Danach ist die nächste Auffrischungsimpfung im Alter zwischen 9 und 17 Jahren fällig.
– Als Erwachsener sollte man alle 10 Jahre eine Diphtherie-Auffrischungsimpfung erhalten.
Tatsächlich stellt sich, wie das ZDF berichtet, heraus, dass zwar die meisten Säuglinge die erste Dosis erhalten, aber nur 76 Prozent die dritte. Und von da an sinken die Impfzahlen. Vor allem bei Erwachsenen ist die Impfrate sehr niedrig geworden – derzeit sind nur 53 Prozent geschützt.
Angesichts der aktuellen Gefahr wird dringend empfohlen, sich nach einer Auffrischungsimpfung zu erkundigen, wenn Ihre letzte Diphtherie-Impfung mehr als 10 Jahre zurückliegt.