Sensation: Spritpreis sinkt unter 1,54 EUR/l

Solche Preise haben deutsche Autofahrer seit vielen Monaten nicht mehr gesehen: Doch bereits ab diesem Wochenende werden sie tatsächlich Realität. Der einzige Haken: Es ist nicht Deutschland, das diesen wichtigen Schritt unternommen hat, sondern eines unserer Nachbarländer.

Polen ergreift Maßnahmen, um seine Spritpreise aktiv zu senken. Heute darf Benzin beispielsweise maximal 1,54 Euro pro Liter kosten – aber wie ist das möglich?

Neues Spritpreis-Paket tritt in Kraft
Die polnische Regierung hat diese Woche mehrere tiefgreifende Änderungen angekündigt. Im Rahmen der Neuauflage ihres Spritpreis-Pakets gilt künftig Folgendes:

  • Die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe wird von bisher 23 Prozent auf nur noch 8 Prozent gesenkt.
  • Die Energiesteuer wird gesenkt.
  • Jeden Tag gilt ein neu festgelegter Höchstpreis.

Letzterer Punkt ist der Grund, warum Energieminister Milosz Motyka gestern Nachmittag so zuversichtlich verkünden konnte, dass der Preis für Benzin (95 Oktan) heute umgerechnet nicht über 1,54 Euro und für Diesel nicht über 1,80 Euro pro Liter steigen werde.

„Ab morgen ist Sprit an Tankstellen in ganz Polen günstiger!“, versprach Motyka gestern in einem Beitrag auf X. Darüber hinaus sollen die Preise das ganze Wochenende lang unverändert bleiben.

Polen führt Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne ein
Noch am Freitag kostete Benzin durchschnittlich 1,85 Euro pro Liter und Diesel 2,06 Euro pro Liter. Wie plant die polnische Regierung, eine solche erhebliche künstliche Preissenkung zu finanzieren?

Die Antwort liegt in der vorübergehenden Einführung einer Übergewinnsteuer für die Mineralölkonzerne. Seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine haben die Mineralölkonzerne Rekordgewinne erzielt – und obwohl die Idee nicht unbedingt neu ist, will Polen sie nun optimal nutzen. Polens Präsident Karol Nawrocki erklärte: „Jeder Zloty, der dank dieses Gesetzes eingenommen wird, muss für die Senkung der Kraftstoffpreise ausgegeben werden.“

Es bleibt zu hoffen, dass die Pläne der polnischen Regierung Erfolg haben – und damit vielleicht auch anderen Ländern als gutes Beispiel dienen.

Polen ist nicht das einzige europäische Land, das eine Übergewinnsteuer erhebt, auch wenn diese anderswo auf unterschiedliche Weise Anwendung findet:

  • In Großbritannien gilt für Energiekonzerne eine Energiegewinnabgabe von bis zu 38 %.
  • Italien hat in der Vergangenheit Sonderabgaben für Energiekonzerne sowie zusätzliche Steuern für Banken erhoben.
  • Spanien hat dauerhafte Sonderabgaben für Banken und Energiekonzerne eingeführt.

Was deutsche Autofahrer erwarten können
Auch in Deutschland wurde eine Übergewinnsteuer vorgeschlagen – zuletzt von Finanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil. Die Idee stieß jedoch bislang auf erheblichen Widerstand, insbesondere aus den Reihen des Koalitionspartners der SPD.

Tipp für Autofahrer: Wer nun erwägt, nach Polen zu fahren, um dort günstig zu tanken, sollte sich vor der Abfahrt sehr sorgfältig informieren:

  • Informieren Sie sich darüber, welche Regeln für Personen gelten, die über die Grenze fahren – sowohl vor Ort als auch bei der Rückkehr nach Deutschland.
  • Rechnen Sie aus, wie viel Geld Sie mit Ihrer Fahrt tatsächlich sparen.
  • Finden Sie heraus, welche Tankstellen zur Verfügung stehen, und wählen Sie mindestens zwei nahe beieinander liegende aus, die Sie bequem erreichen können und bei denen Sie dennoch Geld sparen (falls Ihre erste Wahl leer ist).

Alternativ – falls das Tanken im Ausland für Sie keine gute Option ist – empfiehlt der ADAC die Nutzung einer Tankpreis-App (wie beispielsweise die ADAC Drive App oder „Clever Tanken“) und, wenn möglich, am Vormittag zu tanken.

Foto: Tankstelle (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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