

Die New Yorker Publizistin und Humoristin Fran Lebowitz erkennt ihre Heimat 25 Jahre nach dem 11. September 2001 nicht wieder. „Wir sind ein anderes Land“, sagte Lebowitz dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. „Alles hat sich verändert.“
Die Anschläge hätten eine Furcht ausgelöst, die bis heute anhalte, so Lebowitz. Es gebe heute Menschen, die Angst vor einem neuen 9/11 hätten, obwohl sie damals noch nicht mal lebten. „Wir sind jetzt ein verängstigtes Volk.“
Die Autorin stört sich vor allem an der Ausweitung von Überwachung und Sicherheitsmaßnahmen in den USA. „Die Menschen waren so verängstigt, dass sie nicht einmal mit der Wimper zuckten, als die Regierung in unser aller Leben eindrang, wie sie es nie zuvor getan hatte“, sagte die 75-Jährige. Buchläden seien ausspioniert und Telefonate abgehört worden, in der Subway habe die Polizei Taschen durchsucht.
„Ich hatte nach 9/11 keinen einzigen Tag Angst“, sagte Lebowitz dem RND. „Mich hat die Reaktion der Regierung viel mehr verängstigt.“ So habe sie nach den Anschlägen US-Panzer auf den Straßen von New York gesehen. „Das hat mich völlig erschüttert. Und nun, 25 Jahre später, sehen wir das wieder“, kritisierte sie mit Blick auf die von Trump entsendeten Vollzugskräfte der Einwanderungsbehörde ICE.
„Ich bin 1950 geboren und in einer Zeit aufgewachsen, als es hieß: ‚Wir haben nichts zu fürchten als die Furcht an sich.` Wir glaubten: Die eigene Bevölkerung einzuschüchtern, das tun die USA nicht. Das machen nur böse Länder“, so Lebowitz. „Was die US-Regierung tut, finde ich viel verängstigender als das, was Terroristen tun könnten“, sagte die Protagonistin von Martin Scorseses Dokumentarserie „Pretend it`s a City“. „Ich sage nicht, dass Terroristen reizend sind. Es war schrecklich. Aber Angst machen sie mir nicht.“
Lebowitz lebt seit 55 Jahren in New York und ist heute vor allem mit öffentlichen Talkveranstaltungen erfolgreich.
dts Nachrichtenagentur
Foto: US-Fahnen (Archiv), via dts Nachrichtenagentur