Deutsche Regierung verbannt Microsoft Word

Der amerikanische Tech-Gigant Microsoft ist aus dem täglichen Leben hierzulande nicht mehr wegzudenken, und Milliarden Rechner weltweit nutzen Software wie Word und Excel oder Cloud-Plattformen, darunter Microsoft 365, für geschäftliche und private Zwecke. Obwohl die meisten Microsoft-Angebote scheinbar kostenlos geliefert werden, haben diese einen ideellen Wert für das amerikanische Unternehmen: Was auch immer auf Microsoft Word geschrieben oder in Microsoft 365 gespeichert wird, gehört nicht nur dem Ersteller, sondern auch Microsoft. 

Die Macht der amerikanischen Techkonzerne ist der EU und den einzelnen Mitgliedsländern schon lange ein Dorn im Auge. Jetzt macht Deutschland einen Schritt vorwärts in die Unabhängigkeit von Microsoft, indem Behörden bundesweit untersagt wird, Microsoft Word oder die Cloud Microsoft 365 für ihre Zwecke zu nutzen. 

Neue deutsche Plattform 

Anstatt der gewohnten Microsoft-Angebote sind ab sofort Behörden auf bundes- und landesweiter Ebene dazu verpflichtet, ihre Dokumente in Formaten wie ODF und barrierefreien PDFs anzufertigen. ODF steht für Open Document Format und ist ein offenes Format, das von allen, unabhängig von Software-Anbietern, angewendet werden kann. Damit entzieht die Bundesregierung Microsoft die Einsicht und Aufbewahrung von Milliarden Dokumenten im öffentlichen Schriftverkehr. Hinzu kommt der Aufbau einer ausschließlich in Deutschland gelagerten Plattform, die den Namen Deutschland-Stack erhalten hat. Diese Plattform soll in Zukunft nicht nur deutschen Behörden, sondern auch Betrieben und Konzernen zur Lagerung von Daten zur Verfügung stehen. Die neue Plattform soll der erste Schritt sein in einer umfassenden Maßnahme zur digitalen Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten. 

Amerikanische Bedrohung allgegenwärtig 

Die EU hat schon seit langem über Maßnahmen gegen die Abhängigkeit von amerikanischer Technologie in Europa diskutiert. Ausgangspunkt für das wachsende Misstrauen gegenüber dem einstigen Verbündeten USA ist der sogenannte US-Cloud-Act, der von Trump bereits in seiner ersten Amtszeit im Jahre 2018 erlassen wurde. Dieses Gesetz gab der amerikanischen Regierung das Recht auf Einsicht in alle Daten, die auf Servern und Plattformen in den USA gespeichert sind. Um diese Übergriffe auf deutsche Daten zu verhindern, wurde das Zentrum für digitale Souveränität der öffentlichen Verwaltung ZenDiS mit Sitz in Bochum eingerichtet, das alternative Lösungen zu den amerikanischen digitalen Angeboten bieten soll. Ziel ist es, nicht nur die Behörden, sondern auch die deutsche Industrie und den Handel sowie Verbraucher von dem Monopol der amerikanischen Techriesen zu erlösen.

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Alexander Grünstedt