Ein Albtraum für Verbraucher: Verbraucherzentrale warnt vor gefährlicher Abzock-Masche

Ein Betrug, gegen den sich unwissende Verbraucher kaum wehren können. Und dann zahlen sie mehr und mehr. Die Verbraucherzentrale schlägt Alarm: Allein in den letzten Wochen haben sich immer mehr Opfer gemeldet.

Die meisten von uns wissen, dass sie vorsichtig sein müssen, wenn per E-Mail Angebote eingehen, die zu gut sind, um wahr zu sein. Selbst am Telefon wissen wir, dass wir Anrufen von Unbekannten misstrauisch sein müssen. Aber wenn jemand einem in die Augen schaut und überzeugend redet, fällt es den meisten von uns schwer, Nein zu sagen. Und genau darauf setzt eine Abzock-Masche, die derzeit massiv zunimmt.

Vorsicht, wer an Ihre Haustür kommt!
Die Spritpreise sind himmelhoch, und es besteht die berechtigte Befürchtung, dass die Energiepreise nicht weit dahinter liegen werden. Eine bestimmte Art von „Vertreter“ weiß das sehr gut. Sie tauchen mit dem perfekten Angebot an Ihrer Haustür auf. Die Geschäftsbedingungen? Hier auf diesem Tablet. Unterschreiben Sie einfach hier, um diesen Deal zu ergattern, solange er noch gilt. Alles Weitere wird für Sie erledigt…

Doch Druck auf ihr Opfer auszuüben, ist nicht der einzige Trick, den diese Leute auf Lager haben, und genau hier überschreitet die Situation die Grenze von Abzocke zu gefährlichem Betrug. In Bayern beispielsweise geben Betrüger, wie t-online berichtet, vor, von den kommunalen Stadtwerken zu sein. Man wird gebeten, eine „Besuch-Bestätigung“ auf dem Tablet des Stadtmitarbeiters zu unterschreiben – eine reine Formalität…

In Sachsen-Anhalt kommen Vertreter des „örtlichen Stadtwerks“ vorbei, um zu überprüfen, ob die Daten, die sie über Sie gespeichert haben, korrekt sind. Wie die Rechtsreferentin Diane Rocke warnt: „Mit den Daten, welche sie dann aus den Dokumenten der Verbraucher ziehen, legen sie einen neuen Vertrag an und leiten den Anbieterwechsel ein.“ Auch hier sorgen die Betrüger dafür, dass Sie auf dem Tablet für den Besuch unterschreiben.

Ein ähnlicher Ansatz wird im Raum Berlin verfolgt: Mitarbeiter des „Grundversorgers oder Netzbetreibers“ kommen wegen eines Abrechnungsfehlers zu Ihnen und bitten um Einsicht in eine alte Rechnung. Mit den Daten, die sie daraus entnehmen können, sowie Ihrer digitalen Unterschrift (reine Formalität, wie es heißt) haben sie alles, was sie brauchen, um Sie für einen Vertrag mit einem neuen Anbieter anzumelden.

In Schleswig-Holstein wird Verbrauchern mitgeteilt, dass sie neuen Geschäftsbedingungen zustimmen müssen, da ihnen sonst in zwei Wochen der Strom abgeschaltet wird. Oft werden insbesondere ältere Bewohner von den Betrügern ins Visier genommen.

Nicht selten auch enthält die E-Mail-Adresse, die die Betrüger für ihre Kunden gespeichert haben, zufällig einen Fehler (oder ist gänzlich falsch), sodass man überhaupt keine weiteren Informationen erhält.

Verbraucher merken gar nicht, was passiert ist
Das Schlimmste daran ist, wie Verbraucherschützer hervorheben, dass der Verkauf an der Haustür streng genommen nicht illegal ist. Es sind die zunehmend angewandten Methoden, die darauf abzielen, Verbraucher zu täuschen und dazu zu verleiten, einen Vertrag abzuschließen, den sie gar nicht wollen, die dies zu einem unglaublich gefährlichen Betrug machen. Denn diese lassen sich später nur schwer nachweisen.

Oft merken Verbraucher gar nicht, was passiert ist, bis die Rechnungen ins Haus flattern und sie feststellen, dass sie immer mehr bezahlen müssen. Es ist kaum möglich, eine fundierte Entscheidung zu treffen, wenn einem Dokumente auf einem Tablet präsentiert werden und ein Verkäufer einen immer wieder drängt oder sogar lügt und täuscht, um einen zur Unterschrift zu bewegen. „Unterschreiben Sie nichts!“, warnt die Verbraucherzentrale. Der Verband der Verbraucherorganisationen (vzbv) drängt Politiker und Unternehmen seit langem darauf, eine Regelung einzuführen, wonach alle Verträge zusätzlich schriftlich vom Anbieter bestätigt werden müssen. Nach dem Eingang dieser Bestätigung sollte der Verbraucher erneut ein 14-tägiges Widerrufsrecht haben.

Verbraucher müssen Vorsicht walten lassen
Bislang ist eine solche Lösung jedoch nicht in Sicht. Verbraucher müssen sich daher so gut wie möglich selbst schützen. Entscheidend ist, niemals an der Haustür etwas zu unterschreiben oder am Telefon, per E-Mail oder SMS etwas zuzustimmen – selbst wenn man nur gebeten wird, etwas schnell zu „bestätigen“!

Wenn Sie auf der Suche nach einem neuen Energieversorger sind, sollten Sie sich im Vorfeld selbst gut informieren. Vergleichsportale wie Verivox und Check24 sowie Bewertungswebsites können dabei helfen. Sollten Sie dennoch in einen ungewollten Vertrag geraten sein, sollten Sie Ihr Widerrufsrecht unverzüglich in Anspruch nehmen. Es empfiehlt sich zudem, die Verbraucherzentrale um Hilfe zu bitten und vielleicht sogar Ihren alten Anbieter zu kontaktieren, um die Situation zu erklären.

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