Forscher schlagen Alarm: Ernste Gefahr an Ostseestränden

In der Ostsee breitet sich eine gefährliche invasive Art aus: Es wird erwartet, dass sie in diesem Sommer vielen Badegästen den Spaß gründlich verderben könnte.

Keine langen Wartezeiten am Flughafen: Die herrlichen Strände der Ostsee sind nur eine Autofahrt oder Zugfahrt entfernt, und da die nächste Hitzewelle naht, planen bereits Tausende ihren nächsten Besuch auf Fehmarn, in Warnemünde oder auf Rügen & Co. Doch für viele könnte direkt vor dem Strand eine böse Überraschung warten.

Invasive Qualle breitet sich in der Ostsee aus
Forscher warnen, dass sich eine invasive Art in diesem Sommer an den Stränden der Ostsee stark bemerkbar machen könnte. Die Rede ist von der Meerwalnuss. Auf Fotos wirkt die Qualle zart und eher harmlos. Die etwa 10 cm lange und oval geformte Meerwalnuss (Mnemiopsis leidyi) hat einen filigranen, fast durchsichtigen Mantel und bewegt sich langsam und anmutig.

Benoît Prieur, CC0, via Wikimedia Commons

Doch das Verhalten dieser Qualle hat nichts Zartes an sich: Unter den richtigen Bedingungen und bei Fehlen von Fressfeinden kann sich ihre Population rasch auf mehrere Millionen Individuen vermehren. Ihre Eier und Larven bilden einen äußerst ekeligen Schleim. Dies ist aus dem Schwarzen Meer bekannt, wo die Qualle bereits in den 1990er Jahren im Ballastwasser von Frachtschiffen eingeschleppt wurde. Es folgte eine Bevölkerungsexplosion. Forscher der Deutschen Stiftung Meeresschutz (DSM) schätzen, dass die Biomasse der Art in ihrer Hochphase eine Milliarde Tonnen erreichte. Bedenkt man, dass das durchschnittliche Gewicht einer einzelnen Qualle bei etwa 5 Gramm liegt, ist das eine unvorstellbare Menge. Erst mit dem Eintreffen einer weiteren invasiven Art, der Melonenqualle, begann die Zahl der Individuen wieder zurückzugehen. Die beiden Arten fressen sich nun gegenseitig.

Ernsthafte Bedrohung für die Ökosysteme der Ostsee
Für die Ostsee könnte das Auftreten der Meerwalnuss katastrophale Folgen haben. Die Qualle ist gefräßig, und ihre Anwesenheit kann wertvolle Fischbestände schnell dezimieren, da sie sich sowohl von deren Nahrung als auch von deren Eiern und Larven ernährt. Forscher vermuten, dass die Meereswalnuss selbst direkt zur Entstehung sogenannter „toter Zonen“ im Meer beitragen könnte – Gebiete, in denen aufgrund von Sauerstoffmangel kein Leben mehr existiert. Gerade jetzt, aufgrund der wärmeren Wassertemperaturen, wird befürchtet, dass die Quallen in der Ostsee günstige Lebensbedingungen vorfinden könnten.

Ekelige Überraschung für Badegäste
Streng genommen stellt die Qualle für Menschen kaum eine Gefahr dar: Tatsächlich verfügt sie nicht einmal über Nesselzellen. Die riesigen Schleimteppiche, die sie bilden kann, sind ein unwillkommener Anblick und ein Ärgernis, dem man im Wasser wirklich nicht begegnen möchte. Die Gefahr, die die Meerwalnuss für die Ökosysteme der Ostsee darstellt, ist jedoch sehr groß. Ihre Ausbreitung und deren Auswirkungen werden daher sorgfältig beobachtet, und es bleibt zu hoffen, dass eine Bevölkerungsexplosion vermieden werden kann.

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Oskar Herbert