Gewerkschaft: Vier-Tage-Woche statt Massenarbeitslosigkeit

Im Zuge der Corona-Krise leidet die Wirtschaft wie schon lange nicht mehr. Stellenabbau droht fast überall. Die Vier-Tage-Woche könnte dem entgegenwirken, hoffen Gewerkschafter. Doch kann das funktionieren?

Die deutsche Wirtschaftsleistung ist im letzten Quartal dramatisch gesunken. Es braucht neue Konzepte, um sich den Herausforderungen des Jahres zu stellen. Ein Konzept um, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen, soll die Vier-Tage-Woche sein, findet die IG Metall. “Die Vier-Tage-Woche wäre die Antwort auf den Strukturwandel in Branchen wie der Autoindustrie. Damit lassen sich Industriejobs halten, statt sie abzuschreiben“, wird Gewerkschaftschef Jörg Hofmann von der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert. Die IG Metall möchte daher die Vier-Tage-Woche in der kommenden Tarifrunde durchsetzen.

Laut Hofmann hätten die Betriebe selbst Interesse daran, die Arbeitszeit zu reduzieren, um Kündigungen zu vermeiden. Die Unternehmen würden nur ungerne gut ausgebildete Fachkräfte freisetzen, außerdem seien Kündigungen mit einem Sozialplan verbunden, der seinerseits Kosten verursache.

Weniger im Interesse der Unternehmen dürfte jedoch sein, dass die IG Metall auf einen „gewissen Lohnausgleich für die Beschäftigten“ hofft. Trotz Rezession wolle man eine Lohnerhöhung fordern, erklärte Hofmann.

Die Idee der Vier-Tage-Woche als Krisen-Strategie ist nicht neu. In den 1990er entschied sich der Volkswagen-Konzern für die Vier-Tage-Woche, um Massenentlassungen auszuweichen. Der Wolfsburger Automobil-Hersteller rettete damals zehntausende Arbeitsplätze, indem Arbeit umverteilt wurde, sodass möglichst viele Beschäftigte weiter in Lohn und Brot bleiben konnten.

Auch dieses Jahr entschieden sich bereits viele große Unternehmen für eine Kürzung der Arbeitszeit, um einer Entlassungswelle vorzubeugen. Dabei macht es einen erheblichen Unterschied, ob es sich um eine vereinbarte Kürzung der Wochenarbeitszeit handelt oder um Kurzarbeit. Während die vereinbarte Kürzung der Arbeitszeit und ggf. ein Lohnausgleich zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung ausgehandelt wird, ist die Kurzarbeit eine ehere spontane Reaktion auf Krisen und wird durch die Bundesagentur für Arbeit subventioniert, indem diese für eine bestimmte Zeit einen Teil der Gehaltseinbußen ausgleicht. Die Bundesregierung hat sich bereits dafür ausgesprochen, die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes auf 24 Monate zu verlängern.

Ob die IG Metall ihren angestrebten Lohnausgleich wie geplant durchsetzen kann, ist fraglich. Schließlich stand die Wirtschaftlichkeit der deutschen Automobil-Industrie schon vor Corona unter keinem guten Stern. Die globale Konkurrenz mit teilweise deutlich moderneren Technologien sowie der geplante CO²-Ausstieg macht der Branche schon länger zu schaffen. Während Großkonzerne wie Daimler und VW vermutlich noch Schritt halten können, stehen mittelständische Zulieferer vor einem Innovations- und Investitionsdruck, dem viele kaum standhalten können.

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