

Der Markt für Online-Apotheken in Deutschland explodiert und ständig kommen neue Anbieter hinzu, die nicht unbedingt hierzulande ansässig sind. Beinahe ein Viertel der Deutschen zwischen 16 und 74 Jahren kauft jetzt rezeptfreie Medikamente im Internet, wissen aber oft nicht, welche Gefahren sich hierbei verbergen können. Wie mit allem, das sich als erfolgreich erweist, werden nämlich besonders im Gesundheitswesen Verbrecher auf den Plan gerufen, die das Online-Angebot für Arznei zu ihren Gunsten nutzen wollen. Eine Untersuchung von Sicherheitsexperten in Europa zeigt, dass der Onlineverkauf von Medikamenten der neue große Markt der organisierten Verbrecher geworden ist.
Hochgiftige Stoffe in wirkungslosen Medikamenten
Die Kriminellen haben in den meisten Fällen eine gute Verbindung zu legitimen Fabriken in China, Indien und Pakistan, die generische Medikamente herstellen. Dort zweigen sie Vorprodukte ab, die sie danach in illegalen Laboren mit hochgiftigen Stoffen verpanschen, um sie dann in Europa zu verkaufen. Die gefährlichen Arzneien sehen dabei täuschend echt aus und die Kriminellen erwecken beim Verkauf den Anschein, dass sie ein völlig legales Geschäft betreiben. Nicht nur stellen sie scheinbar gesetzlich vorgeschriebene Rechnungen aus, sondern sie schicken auch ordnungsgemäße Versandbenachrichtigungen mit Trackingnummer. Betroffen ist besonders der Beruhigungs- und Schmerzmittelmarkt, aber auch Abnehm- und Potenzmittel werden häufig angeboten. Die Pillen wurden mit Chemikalien gestreckt, die aufgrund ihrer lebensgefährlichen Wirkung nicht in der westlichen Arzneimittelproduktion zugelassen sind.
Die Strafverfolgung der illegalen Arzneimittelgeschäfte ist beinahe unmöglich, weil die Kriminellen sich in der Regel im nichteuropäischen Ausland befinden. Auch ist bisher unbekannt, wie viele Opfer hierzulande den giftigen Medikamenten zum Opfer gefallen sind. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat gerade eine Liste von Sicherheitstipps veröffentlicht, um eine Vergiftung durch illegale Medikamente zu verhindern. Als besonders auffälliges Zeichen der Unzulässigkeit nennt das BfArM das Angebot von Medikamenten, die in Deutschland nur auf Rezept erhalten werden können. Auch Angebote wie „Mengenrabatt“, „Probepackungen“ oder „neue Heilmittel“ sind ein Warnzeichen, neben den gängigen Scam-Anzeichen wie schlechter deutscher Sprachgebrauch, kein Impressum auf der Website oder generell die Preise von Arzneimitteln, die stark vom Marktüblichen abweichen.