Israel geht erneut in den Lockdown

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigen in Israel unaufhaltsam, daher will die Regierung dem mit einem harten Schritt entgegentreten. Das öffentliche Leben soll ab Ende der kommenden Woche weitestgehend zum Erliegen kommen. Diese Maßnahme ist so heftig umstritten, dass es gar zu einem Rücktritt im Kabinett kommt.

Angesichts der immer weiter steigenden Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat die Regierung in Israel beschlossen, einen zweiten landesweiten Lockdown zu verhängen. Gegen den Widerstand einiger Minister stimmte das Kabinett für diese neuerliche drastische Maßnahme mit den Ausgangsbeschränkungen. Am Freitagnachmittag um 13.00 MESZ soll diese in Kraft treten. Dies erfolgt kurz vor Beginn der jüdischen Feiertage und soll vorerst für drei Wochen gelten. Das jüdische Neujahrsfest Rosch Haschana beginnt am 18. September.

Den Angaben zufolge sollen Schulen und Kindergärten geschlossen bleiben. Mit Ausnahmen dürfen sich die Menschen nur bis zu 500 Meter von ihrem Zuhause entfernt frei bewegen. Nach Medienberichten bleiben aber auch Hotels, Restaurants und Einkaufzentren sowie Freizeiteinrichtungen geschlossen. Erlaubt bleiben hingegen Lebensmitteleinkäufe und auch Arztbesuche. Unter Einschränkungen dürfen auch Behörden und Privatunternehmen ihre Arbeit weiter ausführen. Auch wurde eine Versammlungsbeschränkung erlassen, bei der nur bis zu 20 Menschen sich im Freien und maximal zehn Menschen in Innenräumen versammeln dürfen.

Aus Protest gegen diese Maßnahmen erklärte der strengreligiöse Wohnungsminister und frühere Gesundheitsminister Jakov Litzman von der Partei Vereinigtes Tora-Judentum seinen Rücktritt. Litzman gilt dabei als ein wichtiger Koalitionspartner von Netanjahu. Gegen die neuen Corona-Beschränkungen gab es aber auch aus wirtschaftlichen Gründen erheblichen Widerstand. Denn die Wirtschaft des Landes ist auf Grund der Pandemie bereits arg gebeutelt. Bei mehr als 20 Prozent lag die Arbeitslosigkeit im Sommer.

Angesichts der stark steigenden Infektionszahlen sagte der Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, dass viele Klinikleiter bereits „die rote Fahne erhoben“ hätten. Daher seien die neuen Maßnahmen umgehend notwendig. „Unser Ziel ist es, den Anstieg zu stoppen.“ Wie bekannt geworden ist, sind in der Vergangenheit die Zahlen der Neuinfektionen dramatisch angestiegen. In der abgelaufenen Woche sind in vier Tagen nacheinander jeweils neue Rekordwerte bei den Infektionen vermeldet worden. Inzwischen hat die Zahl der Fälle, die nachgewiesen sind, seit dem Beginn der Pandemie die Zahl von 150.000 überschritten. Nachweislich starben bislang 1.108 Menschen an deren Folgen.

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