Kreml warnt russische Bevölkerung: „Keine Region Russlands sicher“

Der russische Präsident Wladimir Putin erinnert gerne die Welt daran, dass es bisher keinem Land gelungen ist, Russland auf dem eigenen Gebiet zu schlagen. Die enorme Größe des Landes, die hohe Bevölkerungszahl und ein Waffenlager, das sich nicht nur unendlich aufstocken ließ, sondern auch eine riesige Anzahl an Atomsprengköpfen enthält, sollten als Abschreckung gelten, um der Ukraine zu viele Zugeständnisse zu machen. Jetzt allerdings zeigt sich, dass gerade die Größe des Landes Putin auch zum Verhängnis wird. Laut Angaben eines hohen Kreml-Funktionärs und ehemaligen russischen Verteidigungsministers ist man nämlich in der russischen Regierung zurzeit äußerst besorgt darüber, wie weit ausgerechnet die Ukrainer nach Russland eindringen können. Die Größe und Unübersichtlichkeit des Landes ist seit dieser Woche ein erhebliches Problem.

Enorme Zerstörung in Russland

Der lange Krieg, der im Grunde schon seit 2014 im Gange ist, hat den Ukrainern nicht nur viel Herzensleid gebracht, sondern auch Wut und Ehrgeiz. Nicht zuletzt hat das zu einer Verbesserung der eigenen Waffenproduktion geführt, und die Ukrainer sind jetzt befähigt, bis zu 2900 Kilometer weit in das industrielle Herzland vorzudringen. Diese Woche haben die in der Ukraine entwickelten Langstreckenraketen Ziele erreicht, die Russland nicht für möglich gehalten hätte. Dabei wurde eine Ölraffinerie, die mehr als 1.600 Kilometer tief in Russland liegt, in Brand gesetzt sowie eine Anlage zur Produktion von Maschinen und ballistischen Raketen in Wotkinsk, die rund 1300 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liegt. Auch drei der wichtigsten Öldepots, die nicht nur die russischen Truppen, sondern auch die Bevölkerung versorgen, wurden von den Ukrainern zerstört.

Russisches Herzland in Gefahr 

„Das Tempo der Entwicklung von Waffensystemen, in erster Linie von unbemannten Drohnensystemen, und die Raffinesse der Methoden zu ihrem Einsatz sind derart, dass sich keine Region Russlands sicher fühlen kann“, sagte Sergei Schoigu, ehemaliger russischer Verteidigungsminister und derzeitiger Sekretär des Sicherheitsrates des Kremls, in einer Rede in Jekaterinburg. Seine größte Befürchtung ist, dass die Ukraine bald anfängt, das industrielle Herzland im russischen Ural anzugreifen, das auch „nur“ etwa 1500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liegt. Im vergangenen Jahr sei es den Ukrainern 23 000-mal gelungen, Attacken auf die russische Infrastruktur auszuführen, und die Angriffe befänden sich immer weiter von der Ukraine entfernt. Gleichzeitig sei Russland flächenmäßig zu groß, um alle Gebiete mit Abwehrsystemen abzudecken. Trotz seiner Befürchtungen, die auch von anderen Mitgliedern der Regierung geteilt werden, erhält er von Putin keine Hilfe. Ganz im Gegenteil.

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Alexander Grünstedt