Nach Bürokratie-Schikane: Mann trägt Leiche seiner Schwester zur Bank

Todesfälle in der Familie sind oft nicht nur mit Trauer unter den Hinterbliebenen verbunden, sondern auch mit einem Papierkrieg, der viele Witwen, Witwer oder andere Erben in eine monatelange bürokratische Hölle verwickelt.  Nicht nur die Behörden, sondern auch die Banken stellen sich oft quer und sperren gemeinsame Konten, deren Saldo oft für die Bestattungskosten benötigt wird. Die Bürokratie in Bezug auf Todesfälle ist nicht nur auf Deutschland eingeschränkt, denn im indischen Bundesstaat Odisha im Südosten des Landes ist einem Mann der Kragen geplatzt. Nach einer Auseinandersetzung mit der örtlichen Bank über den Nachlass seiner Schwester hat er deren Leiche kurzerhand ausgegraben, eingepackt und in der Filiale vor Ort abgeliefert.

Persönliches Erscheinen erforderlich  

Videoaufzeichnungen auf sozialen Medien zeigen einen Mann, der ein eingewickeltes Skelett durch einen Ort trägt, bevor er die Leiche vor einem Bankgebäude ablegt. Der aufgebrachte Inder, der inzwischen als Jitu Munda (52) identifiziert wurde, gab an, dass die Bank ihm seit Monaten den Zugriff auf das Konto der Schwester verweigerte, weil diese angeblich persönlich erscheinen muss, um die Berechtigung zu unterschreiben. Laut Munda hatte die Schwester kurz vor ihrem Tod Teile des gemeinsamen Viehbestands verkauft und das Geld, etwa 150 Euro, auf ihr Konto einbezahlt. Als er das dringend benötigte Geld nach dem Tod der Schwester entnehmen wollte, verlangte die Bank entweder eine Sterbeurkunde oder das persönliche Erscheinen der Schwester. Da die Sterbeurkunde an dem weit von der Zivilisation abgelegenen Ort noch nicht ausgestellt worden war, und die Schwester aus offensichtlichen Gründen nicht ihre Zustimmung geben konnte, entschied er sich dafür, handfeste Beweise für ihren Tod vorzulegen.

Polizei schaltet sich ein 

Die örtliche Polizei reagierte umgehend auf den Protest des Mannes und überzeugte ihn davon, die Leiche der Schwester wieder auf den Friedhof zurückzutragen und erneut zu beerdigen. Dabei versicherten die Beamten, dass sie dabei helfen werden, in der festgefahrenen Situation mit der Bank zu verhandeln. Die betroffene Indian Overseas Bank bestreitet jetzt, Mundi mit unnötiger Bürokratie schikaniert zu haben. Die Bankangestellten hätten die üblichen Verfahren gemäß indischem Recht befolgt. Gleichzeitig wies die Bank darauf hin, dass sich auch andere Erben gemeldet und Anspruch auf den Inhalt des Bankkontos der Verstorbenen erhoben hatten. Da die Erbfolge offensichtlich noch nicht eindeutig geregelt war, wollten die Angestellten der Filiale den Betrag nicht auszahlen. Jetzt soll endlich der Totenschein ausgestellt worden sein und man hat demzufolge das Geld an die rechtmäßigen Erben ausbezahlt. Ob es sich hierbei um Mundi oder weitere Hinterbliebene handelt, ist nicht bekannt.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Social
Alexander Grünstedt