

Seit er ein Teenager war, wollte Philipp Preißler Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Freiberg in Sachsen werden. Mit 41 ist es ihm endlich als parteilosem Kandidaten der Freien Wähler Sachsen gelungen. Erst am 24. Juni dieses Jahres trat er sein Amt als Oberbürgermeister von Freiberg unter dem Slogan „Mit neuer Kraft erfolgreich weiter“ an. Aber kaum sechs Wochen später, am 6. August 2026, endete der Traum in einer wüsten Schlägerei, bei der zwei Polizeibeamte verletzt wurden und der neugebackene Oberbürgermeister ins Krankenhaus musste. Seither fehlt von dem lokalen Spitzenpolitiker jede Spur.
Randale in Leipziger Hotel
Preißler machte Anfang August bundesweit Schlagzeilen, nachdem er aus bisher unerfindlichen Gründen in einem Leipziger Hotel Amok lief und das Interieur seines Hotelzimmers zertrümmerte und aus dem Fenster warf. Die Geschäftsleitung des Hotels rief die Polizei hinzu und in dem darauffolgenden Handgemenge bei der Festnahme soll der Politiker zugeschlagen und zwei Polizisten leicht verletzt haben. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert, um auf Alkohol und Drogen getestet zu werden. Danach verschwand Preissler spurlos. Die Resultate der Tests wurden nicht veröffentlicht, aber der ehemalige Oberbürgermeister Sven Krürger, der jetzt zum Landrat aufgestiegen ist, untersagte Preißler vorläufig die Ausübung seines Amts. Der Kommunalrat von Freiberg hat ein Disziplinarverfahren gegen Preißler eröffnet. Laut den Freien Wählern befand sich der Oberbürgermeister „offenbar in einer schwierigen persönlichen Situation“, was zu dem Vorfall in Leipzig geführt haben soll. Offiziell ist Preissler zwar immer noch Oberbürgermeister, aber seine Amtsgeschäfte werden zurzeit von Bürgermeister Martin Seltmann (parteilos) getätigt.
Nicht der erste Fall in Sachsen
Während die Polizei in Leipzig immer noch gegen den Freiberger Oberbürgermeister ermittelt, ist dieser völlig von der Bildfläche verschwunden. Keiner weiß, ob er einfach abgetaucht ist oder sich im Urlaub außer Landes befindet. Dies ist nicht das erste Mal, dass ein Oberbürgermeister in Sachsen Furore macht. Etwas über 70 Kilometer entfernt in Glauchau hat das dortige Stadtoberhaupt Marcus Steinhart (CDU) im Jahre 2022 einen Mitschüler seines Sohnes geschlagen und musste sich deshalb vor Gericht verantworten. Obwohl er wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu jeweils 150 Euro verurteilt wurde, konnte er seinen Oberbürgermeister-Titel behalten, da er weiterhin nicht als vorbestraft gilt.