

Es gibt wohl kaum jemanden in Deutschland, der noch nie in einer Apotheke war, und für viele, insbesondere ältere Mitbürger, sind die Arzneimittelgeschäfte in der Nachbarschaft eine nicht wegzudenkende Institution. Jetzt kommen nicht nur alarmierende Nachrichten aus allen deutschen Städten, dass ein allgemeines „Apothekensterben“ begonnen hat. Auch mehrere Ärzteverbände befürworten plötzlich ein Aussterben der traditionellen Apotheke und finden es angebracht, dass der Verkauf und die Aushändigung von rezeptpflichtigen Medikamenten auch online getätigt werden können.
Zu teuer und weitgehend überflüssig
In Deutschland gibt es zwar immer noch das Arzneimittelgesetz, das vorschreibt, dass rezeptpflichtige Medikamente nur in der Apotheke von einem ausgebildeten Apotheker ausgehändigt werden dürfen. Allerdings haben sich die Zeiten geändert und das E-Rezept macht es möglich, dass diese Arzneimittel bereits jetzt online gekauft werden können. Immer weniger Menschen suchen Apotheken auf, und bereits jede fünfte hat seit dem letzten Jahr dichtgemacht. Jetzt schlägt ausgerechnet die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen vor, die Anzahl der Apotheken weiter zu reduzieren. Das Ziel ist, nur noch eine Apotheke pro 250 000 Einwohner anzubieten. Laut den beiden Vorstandsvorsitzenden der KV, Frank Dastych und Armin Beck, sind Apotheken heutzutage nur noch eine teure Institution, die deutsche Haushalte mit Milliardensummen belastet, ohne einen wirklichen Mehrwert zu liefern. Apotheker und Apothekerinnen erhalten nämlich rund 9 Euro pro herausgegebenem verschreibungspflichtigem Medikament, das zumeist ohnehin schon fertig verpackt im Geschäft angekommen ist.
Lidl und dm stehen zur Übernahme bereit
Während die traditionellen Apotheken langsam aussterben, können Online-Apotheken wie Redcare Pharmacy (auch als Shop Apotheke bekannt) und DocMorris sich über ständig steigenden Umsatz freuen. Lidl und dm sind auf den Erfolg der Online-Apotheken längst aufmerksam geworden und planen, groß ins Geschäft von sowohl rezeptpflichtigen als auch frei zugänglichen Medikamenten einzusteigen. Auch Rossmann sucht zurzeit qualifizierte Apotheker, die das rezeptpflichtige Onlinegeschäft der Drogerie bedienen können. Während der Versand von rezeptpflichtigen Medikamenten im Internet wohl für viele Patienten von Vorteil ist, bedeutet die Massenschließung der städtischen Apotheken einen weiteren negativen Einschnitt in das ohnehin leidende Stadtbild, wo leere, mit Graffiti und Abfall übersäte Geschäftsfassaden dominieren.