

Die Zwischenwahlen 2026 in den Vereinigten Staaten haben die Welt wie noch keine Zwischenwahlen zuvor in Atem gehalten. Und das aus gutem Grund: Die Wähler haben ein aussagekräftiges Urteil gefällt – nicht nur in Bezug auf die letzten zwei Jahre in der US-Politik, sondern auch für die Zukunft des Landes.
Es war eine Zwischenwahl mit vielen bedeutenden Erfolgen für die Demokraten: Spektakuläre Umschwünge, insbesondere in Bundesstaaten, die zuvor Hochburgen der Republikaner waren, werden noch einige Zeit Wellen schlagen. Dies ist nun also die Chance für die Partei, sich zu beweisen. Entscheidend wird nun jedoch die Aufstellung eines starken Präsidentschaftskandidaten sein.
Nach seinen mitreißenden Reden im Vorfeld der Zwischenwahlen steht Barack Obama bei vielen amerikanischen Wählern wieder ganz im Vordergrund. Wer ist also der Mann, der nun plötzlich mit ihm verglichen wird?
Ein Wahlsieg mit Signalwirkung
Auf den ersten Blick klingt es wie ein verfrühter Blick in die politische Glaskugel: Jon Ossoff, ein 39-jähriger Senator aus Georgia, führt plötzlich die Wettmärkte für die US-Präsidentschaftswahl 2028 an. Noch ist die nächste Wahl mehr als zwei Jahre entfernt, eine Kandidatur hat er nicht angekündigt. Doch nach einem wichtigen Wahlsieg und einem kräftigen Sprung bei den Prognosen wird der Demokrat bereits als möglicher Nachfolger von Donald Trump gehandelt.
Am Dienstag, dem 3. November, gewann Ossoff seine Wiederwahl zum US-Senator in Georgia deutlich. Er setzte sich gegen den republikanischen Herausforderer Mike Collins durch und erhielt nach Angaben des Independent mehr als 2,4 Millionen Stimmen, was 58,9 Prozent entsprach. Das Ergebnis war für die Demokraten besonders wichtig: Georgia gehört zu den umkämpftesten Bundesstaaten und hatte Donald Trump 2024 noch knapp gewählt.
Auch finanziell war Ossoffs Wahlkampf beeindruckend. Nach Angaben von Reuters sammelte er 126 Millionen Dollar mehr ein als sein republikanischer Gegner. Sein Erfolg verschaffte ihm nicht nur eine weitere Amtszeit, sondern auch einen kräftigen Schub für seine nationale Bekanntheit.
Polymarket sieht Ossoff plötzlich ganz vorne
Besonders bemerkenswert ist der Blick auf Polymarket. Auf der Plattform können Nutzer auf den Ausgang politischer Ereignisse wetten. Nach Ossoffs Wahlsieg schnellten seine Werte nach oben: Laut The Independent lag die Wahrscheinlichkeit, dass er 2028 demokratischer Präsidentschaftskandidat wird, am Mittwoch bei 24 Prozent. Am Vortag waren es noch neun Prozentpunkte weniger gewesen.
Auch beim eigentlichen Einzug ins Weiße Haus lag er plötzlich vorn. Seine Chancen wurden mit 18 Prozent bewertet. Damit überholte er die New Yorker Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und den republikanischen Vizepräsidenten JD Vance. Wettquoten sind natürlich keine Wahlumfragen. Die deutliche Entwicklung erweist sich jedoch als äußerst interessant.
Wer ist der Mann, der an Obama erinnert?
Ossoff gilt als redegewandt, medienerfahren und vergleichsweise jung. Seine politischen Auftritte verbreiten sich häufig in sozialen Netzwerken, vor allem wenn er die Regierung Trump scharf kritisiert. Seine Reden erinnern Beobachter an Barack Obama, der ebenfalls mit rhetorischem Talent und einer Botschaft des politischen Aufbruchs bekannt wurde.
Bei seiner Siegesrede in Atlanta sagte Ossoff, die Aufgabe bestehe nicht nur darin, die Verfehlungen eines Präsidenten einzudämmen, sondern auch die tieferliegenden Probleme des Landes zu heilen. Zugleich warf er Trump Versagen, Korruption und mangelnde Kompetenz vor. Worte, die bei seinen Zuhörern großen Anklang fanden.
Doch der Obama-Vergleich hat auch Grenzen: Ossoff muss erst noch beweisen, dass seine Popularität über Georgia und die sozialen Medien hinaus trägt. Politische Strategen äußerten gegenüber Axios Zweifel, ob seine sorgfältig inszenierten Auftritte auch in längeren, spontanen Interviews funktionieren. Darüber hinaus stellt sich die Herausforderung, sowohl progressive als auch gemäßigte Demokraten hinter ihm zu vereinen.
Was würde ein Präsident Ossoff für Deutschland bedeuten?
Für Europa und Deutschland wäre ein möglicher Präsident Ossoff vor allem mit der Frage verbunden, wie verlässlich die USA künftig als Partner auftreten würden. Einen Hinweis liefert seine Haltung zur NATO: Bereits 2022 bezeichnete er das Bündnis als „vital und unantastbar“ und sprach sich angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine für eine Stärkung der gemeinsamen Verteidigung aus. Das dürfte in Berlin Anlass zur Hoffnung geben.
Ukraine: Ossoff unterstützt grundsätzlich die ukrainische Unabhängigkeit, zeigte sich 2026 jedoch skeptisch gegenüber einem Gesetz, das deutlich schärfere Sanktionen gegen Russland ermöglichen sollte. Für Deutschland könnte das bedeuten, dass ein demokratischer Präsident zwar wieder stärker auf transatlantische Zusammenarbeit setzt, bei konkreten Maßnahmen aber eigene Schwerpunkte verfolgt. Eine Rückkehr zu den politischen Verhältnissen früherer US-Regierungen wäre also keineswegs garantiert.
Bis dahin bleibt Ossoff vor allem eines: ein Senator, der gerade eine wichtige Wahl gewonnen hat und dessen Name plötzlich ganz oben auf den Wettlisten steht. Ob aus dem „nächsten Barack Obama“ tatsächlich der nächste Präsident wird, entscheidet allerdings nicht Polymarket, sondern am Ende die amerikanische Wählerschaft.