Neue Regeln kommen: Regierung erschwert Krankschreibungen

In Zukunft können sich deutsche Bürger nicht mehr auf gewohnte Weise krankschreiben lassen. Das Prozedere wird strenger: Man muss ab dem ersten Tag bereits die ärztliche Bestätigung bringen, die man aber nicht mehr telefonisch einholen darf.

Bundeskanzler Merz findet, dass es hierzulande zu viele Krankenstände gibt, was die Wirtschaftsleistung schwächt. Und tatsächlich liegt Deutschland im internationalen Vergleich im oberen Mittelfeld. Die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung ist ihm ein Dorn im Auge – weswegen sie jetzt abgeschafft wird.

Arztbestätigung schon am ersten Tag
So soll etwa eine verpflichtende Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Tag der Erkrankung eingeführt werden, statt wie bisher erst ab dem vierten Tag. Das teilten Union und SPD nach Beschlüssen des Koalitionsausschusses mit. Als Arbeitnehmer muss man künftig unabhängig von der Stärke der Beschwerden bereits am ersten Tag einer Krankheit einen Arzt aufsuchen. Merz betonte gleichzeitig, dass Ausnahmen auf Betriebsebene möglich sein soll. 

Keine telefonische Krankschreibung mehr
Seit ein paar Jahren, nämlich seit Ende 2023, war es Patienten möglich, ohne Praxisbesuch zu einer Krankmeldung zu kommen. Wenn man in der jeweiligen Praxis bekannt ist und keine schweren Symptome hat, kann man sich auch telefonisch seine Arbeitsunfähigkeit feststellen lassen. Auch damit wird Schluss sein.

Von den Grünen kommt scharfe Kritik für das Vorhaben. „In einer Zeit, in der die Koalition das Gesundheitswesen mit ihrer Kürzungspolitik in den Würgegriff nimmt, schickt sie gleichzeitig Millionen zusätzlicher Patienten für reine Zettelwirtschaft in die Arztpraxen“, betonte der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion Janosch Dahmen gegenüber dem „Spiegel“.

„Gegenteil moderner Versorgung“
„Menschen mit Erkältungen oder Magen-Darm-Infekt gehören zur Erholung nach Hause – nicht für eine Kurzzeit-Krankschreibung ins überfüllte Wartezimmer. Das bindet ärztliche Kapazitäten, verschlechtert den Infektionsschutz und ist das genaue Gegenteil einer modernen Primärversorgung.“

Weiterhin gilt: Wenn man krankheitsbedingt nicht zur Arbeit gehen kann, muss man dies dem Arbeitgeber unmittelbar mitteilen.

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Martin Beier