

Der russische Präsident Wladimir Putin hat es zurzeit nicht leicht. Zum ersten Mal seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine kann Russland keinen einzigen Fortschritt auf ukrainischem Gebiet verzeichnen. Ganz im Gegenteil, denn die Ukrainer berichten zunehmend mehr von zurückeroberten Gebieten in der Donbass-Region, deren Einnahme neben der Krim zu Putins wichtigsten Kriegszielen gehört.
Gleichzeitig wird der Nachschub an Soldaten, die an russischer Seite kämpfen wollen, so knapp, dass das russische Staatsoberhaupt jetzt zu Zwangsrekrutierung in russischen Betrieben greifen muss. Der eigenen Bevölkerung hat er gerade den Zugang zum Internet verboten, um zu verhindern, dass die schlechten Nachrichten auch hier durchsickern. Jetzt hat ihm auch noch einer der engsten Verbündeten eine Abfuhr erteilt, und das ausgerechnet vor laufender Kamera.
Armenia liebäugelt mit EU
Die vorherige sowjetische Republik Armenien gehörte bisher zu den Putin-treuen Staaten, die es sogar den Russen erlaubte, militärische Stützpunkte im Land zu errichten. Im Februar 2025 kamen jedoch die ersten Schocknachrichten für Russland, nachdem das armenische Parlament beschloss, die Vorbereitungen für eine zukünftige EU-Mitgliedschaft einzuleiten. Das Resultat war eine unmittelbare Einberufung des armenischen Premiers Nikol Paschinjan zu „Gesprächen“ nach Moskau. Auf der Agenda stand neben der EU auch ein Wunsch Moskaus, russische Politiker in das armenische Parlament einziehen zu lassen. In beiden Fällen erhielt Putin eine entschiedene Zurückweisung, die ihm für mehrere Sekunden die Sprache verschlug. „Mit allem Respekt – aber Menschen mit russischem Pass können gemäß der Verfassung der Republik Armenien weder als Abgeordnetenkandidaten noch als Kandidaten für das Amt des Premierministers antreten“, fiel Paschinjan seinem russischen Amtskollegen ins Wort und wies darauf hin, dass wie in den meisten Ländern Regierungen nur von Staatsbürgern des Landes gebildet werden.
Hinweise auf Demokratie
Weiterhin konnte es der armenische Premier nicht lassen, gegen die Internet-Blackouts in Russland zu lästern. „Sie wissen, Armenien ist ein demokratisches Land“, sagte er, während Putin immer noch sprachlos neben ihm saß. „Das ist für uns eine prinzipielle Frage. Unsere sozialen Netzwerke sind zum Beispiel zu 100 Prozent frei. Es gibt keinerlei Einschränkungen, überhaupt keine.“ Trotz der Abfuhr und der wiederholten Hinweise auf demokratische Prozesse in Armenien versuchte Putin im Laufe des Gesprächs, die Vorteile eines Bündnisses mit Russland hervorzuheben. Dabei nutzte er die Ukraine als Vorbild, um dem Armenier klarzumachen, wie langwierig eine Anpassung für eine EU-Mitgliedschaft sein kann. Die Ukrainer hätten schon seit Jahren versucht, dem Block beizutreten, aber ohne Erfolg. Die EU vertrete „in praktisch allen Fragen, selbst in unbedeutenden, eine sehr harte Haltung“.