Spitpreisexplosion trifft Deutschland unerwartet

In den letzten Monaten schwankten die Spritpreise häufig, doch nun droht Deutschland eine Preisexplosion, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen könnte.

Wie der ADAC berichtet, lagen die Spritpreise im Juli/August dieses Jahres bei 2,139 Euro für Super E10 und bei 2,190 Euro pro Liter Diesel. Für alle, die mit dem Auto in den Urlaub fahren, sind das in der Tat schmerzhafte Preise. Doch laut Experten könnte es schon sehr bald noch viel schlimmer kommen: Es droht eine Kraftstoffknappheit, und für einige Teile Deutschlands könnte diese viel früher eintreten als erwartet.

Rheinpegel besorgniserregend niedrig
Grund dafür ist der besorgniserregend niedrige Pegelstand des Rheins. Die nächste Hitzewelle ist bereits vorhergesagt, und in weiten Teilen Europas herrscht Dürre – mit verheerenden Folgen für die Schifffahrt. Wie t-online berichtet, werden am Pegel Kaub am Mittelrhein nur noch 29 Zentimeter auf der Messlatte gemessen: Das entspricht zwar nicht der tatsächlichen Tiefe des Flusses, zeigt aber, dass der Wasserstand an dieser wichtigen Engstelle so niedrig ist wie seit Jahren nicht mehr.

Wie Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Tankstellenverbands ZTG, gegenüber dem „Handelsblatt“ erklärt, können bei einer Höhe von 32 Zentimetern und weniger rund 95 Prozent der Tanker nicht mehr passieren. Diejenigen, die noch durchkommen, sind gezwungen, deutlich kleinere Ladungen zu nehmen – oft nur 10 Prozent ihrer üblichen Ladung. Dies hat natürlich katastrophale Folgen für die Transportkosten: Auf der Strecke zwischen Rotterdam und Karlsruhe steigen diese laut Ziegner statt der üblichen Kosten von rund 20 bis 25 Euro pro Tonne nun auf 145 bis 150 Euro pro Tonne.

Spritpreise dürften steigen
Dies wird auch die Preise an der Tankstelle nicht unberührt lassen. Laut Ziegner könnte der Kraftstoffpreis um bis zu 0,8 Prozent pro 10 Euro Kostensteigerung pro Tonne steigen. Besonders schlimm wird es, wenn der Wasserstand des Flusses so niedrig wird, dass Frachtschiffe bestimmte Stellen gar nicht mehr passieren können – eine Situation, die angesichts der anhaltenden Dürre jederzeit eintreten könnte. „Der Rhein ist dann zweigeteilt“, warnt Ziegner. Nur die Abschnitte zwischen Basel und Bingen sowie zwischen Koblenz und Rotterdam wären dann noch zuverlässig befahrbar. Regionen entlang des Rheins in West- und Süddeutschland würden dann leiden.

Der Einsatz von Lkw sei aufgrund des Mangels an Lkw-Fahrern – insbesondere an denen mit den erforderlichen Zusatzqualifikationen – nur bis zu einem gewissen Grad möglich, so Ziegner. Der Transport per Lkw sei zudem teurer als der Transport auf dem Wasserweg, doch gebe es möglicherweise kaum eine Alternative: Laut Johannes Guhlke von der Preisberichtsagentur Argus Media werde der Kraftstoff in mehreren Tanklagern in Westdeutschland bereits knapp.

Dies wird für viele Autofahrer, die die Entwicklungen auf dem Ölmarkt aufmerksam verfolgen und den derzeit stark fallenden Ölpreis mit Freude zur Kenntnis genommen haben, ein äußerst unangenehmer Schock sein. Glücklicherweise dürften die Schwierigkeiten am Rhein hoffentlich nur geringe Auswirkungen auf die Spritverfügbarkeit im übrigen Land haben. Andere Regionen in Deutschland werden über andere Raffinerien, Pipelines und Häfen sowie per Bahn besser versorgt.

Droht noch ein weiterer Preisanstieg?
Experten befürchten jedoch, dass noch ein weiterer Schock bevorstehen könnte – und zwar für alle –, sollte sich die Lage im Nahen Osten nicht bald beruhigen. Wie ntv erklärt, haben die monatelangen Lieferengpässe die weltweiten Notreserven an Öl bereits stark reduziert. Sollte der Krieg andauern, werden die Ölpreise spätestens Anfang 2027 die bisher gehaltene Preisspanne von 80 bis 100 Dollar pro Barrel durchbrechen, warnt der Chef des staatlichen italienischen Ölkonzerns ENI.

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Oskar Herbert