

Ukrainische Städte und Dörfer stehen zurzeit unter ständigem russischen Drohnenbeschuss und werden dabei nicht nur den Gefahren der Explosionen ausgesetzt, sondern auch einer der schlimmsten Umweltkatastrophen, die fast jeden Haushalt in den umkämpften Gebieten betrifft. Die russischen Drohnen im Grenzgebiet werden nämlich durch Glasfaser-Leinen gesteuert, die das Land wie ein Spinnennetz überziehen und sowohl Häuser als auch Felder völlig bedecken. Aber gerade diese Art der Kriegsführung ist gerade den Russen zum Verhängnis geworden, denn es zeigt sich, dass selbst ein Kind diese Art von Drohnen außer Gefecht setzen kann.
Anatolij Prokhorenko (12) lebt mit seiner Familie in Semeniwka (5600 Einwohner) in der Provinz Tschernihiw im Norden der Ukraine, ganz in der Nähe der Grenze zu Russland. Gerade dort nutzen die russischen Soldaten die Glasfaser-Drohnen besonders häufig, um die angrenzenden ukrainischen Gebiete auf kurzer Distanz zu terrorisieren. Anatolij wohnt auf einem Hof in ländlicher Umgebung und befand sich zum Zeitpunkt des Vorfalls in einem Birnbaum, als er eine Drohne auf seinen Heimatort zusteuern sah. Dabei erkannte er, dass die Drohne es auf seine Familie, darunter drei kleine Geschwister, abgesehen hatte. Kurz entschlossen wurde er tätig, um den Angriff unter großer Gefahr für das eigene Leben zu verhindern.
Lebensrettendes Gespräch mit Soldaten
Kurz zuvor hatte er bei der Feldarbeit ein Gespräch mit ukrainischen Soldaten geführt, die ihn vor den verkabelten Drohnen gewarnt hatten. Dabei riet ihm ein Soldat, im Falle eines Angriffs die Drohne vorbeipassieren zu lassen, um nicht selbst ins Visier der Kamera zu kommen. Danach muss man schnell handeln – und den Verbindungsdraht einfach durchknicken. Damit verliert die Drohne ihre Steuerung und stürzt ab. An genau diese Anweisungen hielt sich der Junge, und kurz darauf sah er die Drohne zu Boden stürzen. „Ich wartete auf eine Explosion, doch da war nichts“, sagte Anatolij über seine Erfahrung in einem Gespräch mit einem Journalisten der amerikanischen Tageszeitung „Washington Post“. Anatolij wird jetzt in der Ukraine wie ein Held gefeiert. Gleichzeitig hat der Vorfall einen erneuten Fokus auf Russlands ständige gezielte Angriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung gerichtet.