Vor deutscher Küste: Russland schießt auf NATO-Mitglied

Bisher hat Russland eine offene Konfrontation mit der NATO und ihren Mitgliedern vermieden und sich mit einer hybriden Kriegsführung begnügt. Immerhin ist es einfacher, sich mit Sabotageakten wie unbemannten Drohnen, ständigen Luftraumverletzungen und Missinformation auf falschen Konten in sozialen Medien zu verstecken.

Danach kann der Kreml alles abstreiten und Beweise verlangen, die oft schwierig zu sammeln sind. Jetzt ist es aber zu einem offenen Konflikt zwischen Moskau und einem NATO-Mitgliedsland gekommen, und das ausgerechnet in der Nähe der deutschen Küste an der Ostsee. 

Mit Leuchtkugeln angegriffen 

Der Vorfall ereignete sich gestern in der Ostsee zwischen der dänischen Insel Falster und dem deutschen Küstenstreifen vor Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Helikopter des Typs Fennec der dänischen Luftwaffe war auf einer Routine-Patrouille, als der Besatzung eine russische Fregatte auffiel. Die Soldaten an Bord des Helikopters fotografierten das russische Kriegsschiff, wonach mehrere Schüsse von der Fregatte aus auf die Dänen abgefeuert wurden. Bei den abgesetzten Schüssen soll es sich um pyrotechnische Leuchtkörper, sogenannte Flares, gehandelt haben, die den dänischen Helikopter nur knapp verfehlten. Keiner der dänischen Soldaten wurde bei dem Übergriff verletzt und auch der Helikopter kam nicht zu Schaden. Der Vorfall löste allerdings Entrüstung in Dänemark aus und die Regierung in Kopenhagen bestellte auch sofort den russischen Botschafter ein.

Prekäre Situation an der Ostflanke  

Der dänische Verteidigungsminister Jeppe Bruus bezeichnete die Situation als äußerst ernst und weist darauf hin, dass Russland offensichtlich dazu willig ist, größere Risiken einzugehen. Gleichzeitig forderte Moskau die NATO an einer anderen Stelle der Ostflanke heraus. In Litauen mussten italienische Flieger des Militärbündnisses aufsteigen, um eine Drohne über dem baltischen Luftraum abzuschießen. Aus Polen kommen alarmierende Meldungen von weiteren russischen Übergriffen, nachdem ein Personenzug auf dem Weg von Kiew nach Warschau von einer Drohne angegriffen wurde. An Bord waren neben einem Merz-Berater und dem ehemaligen Chef des amerikanischen Geheimdienstes CIA auch der vormalige britische Premier Boris Johnson. In Deutschland bereitet sich die Bundeswehr zurzeit darauf vor, die NATO‑Partner an den Grenzen zu Russland mit einer erhöhten Anzahl an deutschen Truppen zu unterstützen. 

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Alexander Grünstedt