

Drohnen an deutschen und anderen europäischen Flugplätzen, ständige Luftraumverletzungen im Baltikum und Osteuropa, russische Kriegsschiffe vor deutschen Küsten und nicht zuletzt Störsender, die auch die Passagierluftfahrt bedrohen: Die frechen und potenziell lebensgefährlichen Übergriffe seitens Russlands eskalieren. Die meisten der hybriden Angriffe von Russland auf Europa lassen sich auf einen bestimmten Ort in Russland zurückführen. Die russische Enklave Kaliningrad, die an das Baltikum und Polen grenzt, ist einer der wichtigsten strategischen Stützpunkte für Putin, und in Militärkreisen befürchtet man schon lange, dass Russland von dort aus einen Einmarsch nach Europa plant. Jetzt dreht das westliche Verteidigungsbündnis NATO den Spieß um und setzt ein deutliches Zeichen. Seit dem vergangenen Dienstag ist Kaliningrad zu Wasser, zu Land und in der Luft von europäischen und amerikanischen Truppen eingekesselt.
Unter amerikanischer Leitung
Die Umzingelung der russischen Enklave ist Teil einer NATO-Übung, soll aber gleichzeitig auch eine Drohung an Moskau darstellen. Zu lange haben europäische Einsatzkräfte nur zugesehen oder im besten Falle defensiv gehandelt, als Moskau zunehmend aggressivere hybride Angriffe auf Europa ausführte. Russische Drohnen wurden eingefangen, Flugraumverletzungen durch NATO-Fighterjets zurückgedrängt. Jetzt zeigt die NATO zum ersten Mal Zähne, um Russland davon zu überzeugen, dass Kaliningrad genauso schnell von Russland abgeschnitten werden kann, wie es Angriffe auf Europa startet. Die Übung wird von amerikanischen Streitkräften der NATO geleitet, aber von Militäreinheiten aus Großbritannien, Norwegen und Polen unterstützt.
Geplanter Angriff auf das Baltikum
Die NATO-Übung rund um die russische Enklave folgt laut Angaben der litauischen Regierung Warnungen amerikanischer und baltischer Geheimdienste, dass Russland in den kommenden Wochen Angriffe durch umgeleitete ukrainische Drohnen auf die Infrastruktur in Litauen, Estland und Lettland plant. Auch in Polen ist man in Alarmbereitschaft, weil der Flughafen in Kaliningrad gerade vermehrt Landungen von Flügen aus Afrika und Asien anbietet, um einen Flüchtlingsstrom von der Enklave über die polnische Grenze nach Europa zu ermöglichen. Der deutsche Militärexperte Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr in München sagte zu der NATO-Übung: „Heute gab es eine beträchtliche Konzentration von Luftstreitkräften rund um Kaliningrad. Man kann nur hoffen, dass Russland die Botschaft verstanden hat.“ Die NATO hat sich bisher nicht konkret zu dem Einsatz geäußert, weist aber darauf hin, dass die NATO als Verteidigungsbündnis kontinuierlich die Verteidigungsfähigkeiten der Bündnispartner trainieren und verbessern muss.