Zweite, schwere Erkrankung im Zusammenhang mit AstraZeneca gemeldet

Potenziell tödliche Blutgerinnsel stehen bereits als „sehr seltene Nebenwirkung“ im Beipackzettel der AstraZeneca-Impfung. Nun prüfen die Behörden den Verdacht auf eine weitere, schwere Erkrankung im Zusammenhang mit dem Vakzin.

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA untersucht den Impfstoff von AstraZeneca erneut auf gefährliche Nebenwirkungen. Nach der Impfung mit dem Vakzin, das inzwischen unter dem Namen Vaxzevria gehandelt wird, sind fünf Fälle des sogenannten „Clarkson-Syndroms“ aufgetreten.

Das Clarkson-Syndrom oder auch Kapillarlecksyndrom ist eine extrem seltene Erkrankung, bei der die Durchlässigkeit der Kapillargefäße erhöht ist. Infolgedessen tritt Plasma aus den Gefäßen aus, was zu Ödemen und einem Abfall des Blutdrucks führen kann. Die Erkrankung kann einen schweren Verlauf nehmen und bis zum Herzkreislaufkollaps führen.

Bisher wurden über das europäische Überwachungssystem EudraVigilance fünf Fälle des Kapillarlecksyndrom im zeitlichen Zusammenhang mit der Vaxzevria-Impfung gemeldet. Unklar ist allerdings, ob diese nur zufällig zeitnah mit der Impfung aufgetreten sind. Die EMA hat ein Prüfungsverfahren eingeleitet.

Am Mittwoch urteilte die europäische Behörde bereits über einen möglichen Zusammenhang zwischen der Impfung und dutzenden Fällen von Sinusvenenthrombosen. Die EMA geht zwar von einem Zusammenhang aus, kam jedoch zu dem Fazit, dass der Nutzen der Impfungen gegenüber ihren Risiken als höher zu bewerten sei. Daher wird die Impfung mit Vaxzevria bzw. AstraZeneca weiterhin empfohlen. Viele Länder schränkten ihre Impfempfehlung für das Vakzin allerdings ein. So soll das Vakzin in Deutschland regulär nur noch an Personen über 60 Jahre verteilt werden. Jüngere Menschen, die bereits eine erste Dosis erhalten haben, sollen nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) ihre Zweitdosis von einem anderen Hersteller erhalten.

Eine ähnliche Untersuchung läuft inzwischen auch für den Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson. Am Freitag gab die EMA bekannt, dass vier Fälle schwerer ungewöhnlicher Thrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gemeldet geworden sind. Einer dieser Fälle war bereits im Rahmen des Zulassungsverfahrens beobachten worden. Die anderen drei traten erst nach der Zulassung in den USA auf. Eine Person verstarb in Folge des Blutgerinnsels. Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist seit 11. März in der EU zugelassen, wurde jedoch bislang nicht ausgeliefert. Die EMA will nun prüfen, ob tatsächlich ein Kausalzusammenhang zwischen der Impfung und den Thrombosen festgestellt werden kann.