Corona-Aufälle bei der Polizei: Polizeigewerkschaft warnt vor unterbesetzten Revieren

Die Deutsche Polizeigewerkschaft schlägt Alarm, weil zu viele Polizisten Corona-bedingt ausfallen. Regional liege die Inzidenz unter den Sicherheitsbeamten bei 4000. Der Dienstbetrieb in Sachsen sei gefährdet, warnt die Landespressestelle.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft Sachsen warnt vor einer möglichen Gefährdung des Polizeidienstbetriebs. Derzeit seien etwa 400 Polizistinnen und Polizisten mit dem Coronavirus infiziert. Mehr als das Doppelte ihrer Kollegen müsse Quarantäne halten. Demnach fallen derzeit rund 1000 Polizisten von 14.000 wegen Corona aus. 1500 weitere seien ohnehin im Langzeit-Krankenstand. In den nächsten Wochen könnte es schwierig werden, die Reviere besetzt zu halten, steht in der Gewerkschaftsmitteilung.

„Wenn man das umrechnet, sind wir bei einer Inzidenz von circa 4.000″, klagte Cathleen Martin, die Pressesprecherin der Polizeigewerkschaft in ihrer Mitteilung und richtete Kritik an die Landespolitik. Sie erläuterte, dass 80 Prozent der Infizierten Geimpfe seien, dass diese jedoch keine Auffrischimpfung erhalten hätten. Die Impfkampagne wurde im September beendet. Booster-Impfungen habe man dabei nicht berücksichtigt, moniert Martin und unterstellt finanzielle Motive.

Mehrzahl der Polizisten einfach mit Johnson & Johnson geimpft?
Man habe für die Polizisten in Sachsen „Johnson & Johnson gekauft, weil’s am billigsten ist“, behauptet die Gewerkschaftssprecherin. Als dann Mitte des Jahres klar wurde, dass für diesen Impfstoff eine Auffrischung nötig sei, habe das Innenministerium nicht reagiert. „Man hat nichts gekauft“, sagt Martin.

Das Innenministerium wies die Vorwürfe zurück. Die Impfkampagne sei „aufgrund der zuletzt geringen Nachfrage bei den Bediensteten und den vielfältigen anderen Impfmöglichkeiten“ eingestellt worden, hieß es auf RTL-Anfrage. Eine Booster-Impfkampagne werde gerade vorbereitet.

Martin behauptet: „Man hat im September bei den Auszubildenden angefragt, wer sich impfen lassen will. Und dann hat man gesagt: ‚Nein, geht doch nicht.'“. Dies sei für sie „völlig unverständlich“. Glücklicherweise hätten viele Auszubildende sich an die Impfzentren gewendet. Doch die seien inzwischen überlastet.

Auch die Warnung von Martin wollte man im Ministerium nicht bestätigen. Die Einsatzfähigkeit der Polizei sei nicht gefährdet. Ähnlich äußerte sich die sächsische Polizei auf eine „Spiegel“-Anfrage hin. Allerdings wollten weder die Polizei noch das Innenministerium Zahlen zum aktuellen Krankenstand nennen.

Sachsen hat die höchste Corona-Neuansteckungsquote von allen 16 Bundesländern. Die Inzidenz liegt bei 862,1 pro 100.000 Einwohner. Ab Montag tritt ein Teil-Lockdown in Kraft. Freizeiteinrichtungen werden geschlossen und gastronomische Betriebe auf 2G beschränkt. In den Corona-Hochinzidenzgebieten von Sachsen gelten außerdem Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote für Ungeimpfte.

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